Bevor mein Genesungsweg begann, war meine Welt klein und eng. Ich hatte bis in die Details hinein die Angst, Fehler zu machen, da sich aus ihnen etwas Schlimmes entwickeln könnte. Ich könnte nass werden und mich erkälten, zu dünn angezogen sein und frieren, zu dick – und schwitzen, zu spät kommen, zu dick werden, krank werden, einen Unfall haben, eingeschlossen werden, ausgeschlossen werden, das Kleidungsstück könnte zerreißen oder schmutzig werden, der Knopf verloren gehen, mein Chef mich nicht mögen oder für unfähig halten, die Personalstelle mir auf die Schliche kommen, mich jemand in den Sexshop hinein- oder aus dem Sexkino herauskommen sehen, jemand mein Auto am Straßenstrich sehen…
Schlagwort: Sexueller Missbrauch
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Die eigene Vorstellung von Gott
My friend suggested what then seemed a novel idea. He said,
“Why don’t you choose your own conception of God?’’Mein Freund machte einen Vorschlag, der mir damals als ein neuer Gedanke erschien. Er sagte: „Warum suchst du dir nicht deinen eigenen Begriff von Gott?“
Anonyme Alkoholiker,
Bill’s Story/ Bills Geschichte, p. 12/ S. 14In meiner Sexsucht war ich so machtlos, dass ich aus eigener Kraft nicht aufhören konnte. Ich brauchte eine Kraft, größer als ich selbst, um auch nur daran denken zu können, ein Leben ohne Lüsternheit und sexuelles Ausagieren zu führen.
Es erschien mir aber ausgeschlossen, dass diese Kraft etwas mit „Gott“ zu tun haben könnte. Gott war entweder nicht existent, oder er war jedenfalls für mich nicht erreichbar. Mit dieser Überzeugung kam ich 2008 ins Zwölf-Schritte-Programm. (mehr …)
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Solange, bist du es liebst
Ich gebe meinem Tag einem Rahmen durch ein Abend- und Morgenprogramm. Morgens brauche ich es schon deshalb, weil ich nach dem Aufwachen oft eine bedrückte Stimmung habe. Ich schlafe meistens ziemlich schlecht. Mir ist mittlerweile klar, dass das damit zusammenhängt, dass ich nachts nicht richtig „aus mir raus gehe“. Mir fehlt das Vertrauen, dass ich im Schlaf geschützt und aufgehoben bin. Ich will statt dessen auf mich aufpassen.
Damals, der Missbrauch, begann beide Male, als ich schlief. Durch ihn und durch andere Erlebnisse bin ich traumatisiert worden. Um diese Traumata aufzulösen, plastiziere ich. Eines Nachts werde ich loslassen und besser schlafen können, da bin ich ganz zuversichtlich. Jetzt aber zurück zum Thema „Tagesprogramm“.
Also ich wache morgens misslaunig auf. Wenn ich dann mein Morgenprogramm gemacht habe, ist es in den allermeisten Fällen besser oder sogar weg. Und abends mache ich ein Abendprogramm, dessen Minimalversion in einem Dank für den trockenen Tag besteht. Außerdem bitte ich darum, vor der Lüsternheit im Schlaf beschützt zu sein.
Jeder Sexsüchtige weiß, wie anstrengend lüsterne Träume sind. Nach lüsternen Träumen bin ich schon aufgestanden, habe gebetet, habe Programm-Freunden auf den AB gesprochen und habe anschließend Grimms Märchen gelesen, um die lüsternen Bilder aus dem Traum wieder loslassen und wieder ins Bett gehen zu können.
Beim Morgen- und Abendprogramm ist das Allerwichtigste die Regelmäßigkeit. Lieber nur ein kurzes Prgramm, aber dafür jeden Morgen und jeden Abend.
Wiederholung ist ein spirituelles Prinzip. Sie frühstücken ja auch jeden Tag, obwohl sie es vorher schon mal getan haben,
sagte ein Priester auf die Frage, warum man eigentlich jeden Sonntag zum Gottesdienst gehen solle.
Die Kraft kommt aus der Wiederholung. Deshalb besser morgens und abends nur fünf Minuten Besinnung, wenn mehr Zeit nicht ist, als Montags, Donnerstags und alle zwei Wochen Sonntags je zwei Stunden.
Es gibt bei AA einen schönen Slogan:
Wie lange muss ich in die Meetings gehen? Solange, bis du es liebst.
Wie lange muss ich ein Morgen- und Abendprogramm machen? Solange, bis du dich darauf freust.
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Heraustreten aus dem Schatten von Missbrauch und Gewalt
Frage: „(…) was ist mit Menschen, die körperlich missbraucht und misshandelt werden? Wie können sie gegenüber dieser Erfahrung zur Nicht-Anhaftung finden?“
Antwort: „(…) Ich behaupte nicht, dass es einfach ist. Ich behaupte nur, es ist möglich.“
Anthony de Mello, Das Leben neu entdecken – Aufwachen zum Glück, Freiburg im Breisgau 2013, S. 90
Ja, es ist möglich.
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Ein dunkler Schatten über der Sexualität
Durch den sexuellen Missbrauch, den ich mit 15 erfahren habe, hat sich über meine Sexualität ein dunkler Schatten gelegt. Ich war vorher schon verunsichert und suchte nach, auch geschlechtlicher, Orientierung. Jetzt wurde die Sexualität auf der einen Seite zu etwas sehr Erstrebenswertem, andererseits aber auch zu etwas Negativem, Schlechtem: ich hatte das Gefühl, als ob jede Sexualität immer auch missbräuchlich wäre. Scham- und Schuldgefühle begleiteten meine Sexualität, egal, was der Kopf mir dazu sagte.