Durch den sexuellen Missbrauch, den ich mit 15 erfahren habe, hat sich über meine Sexualität ein dunkler Schatten gelegt. Ich war vorher schon verunsichert und suchte nach, auch geschlechtlicher, Orientierung. Jetzt wurde die Sexualität auf der einen Seite zu etwas sehr Erstrebenswertem, andererseits aber auch zu etwas Negativem, Schlechtem: ich hatte das Gefühl, als ob jede Sexualität immer auch missbräuchlich wäre. Scham- und Schuldgefühle begleiteten meine Sexualität, egal, was der Kopf mir dazu sagte.
Blog
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Spezifisches Teilen (2)
Manchmal sagen Freunde, man könne man zwar mit seinem Sponsor spezifisch teilen, nicht jedoch im Meeting, denn im üblichen Meetingtext heiße es, dass wir deutliche sexuelle Beschreibungen und eine sexuell getönte Sprache vermeiden.
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Spezifisches Teilen (1)
Dadurch, dass ich meine Themen spezifisch und nicht nur im Allgemeinen mitteile, trete ich heraus aus Scham und Isolation.
Mein Sponsor hat mir von Anfang an empfohlen, belastende Gedanken, Erinnerungen und Bildern spezifisch und explizit zu teilen.
Praktisch heißt das: Wenn ich ein Bild etc. nicht wieder loslassen kann, rufe ich einen AS-Freund an und sage ihm ganz genau, welches Bild oder welche Vorstellung sich bei mir eingenistet haben. Nachdem ich es ausgesprochen habe, kann ich sie loslassen. Das hat bis jetzt immer funktioniert. Nur selten muss ich etwas mehrmals teilen, weil ich es beim ersten Mal noch nicht loslassen konnte.
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Perfektionismus und Kontrolle aufgeben
Den Perfektionismus loslassen –
ohne dabei in Perfektionismus zu verfallen.Die Kontrolle aufgeben –
ohne anschließend genau kontrollieren zu wollen, ob es auch geklappt.Die Selbstverurteilung loslassen –
ohne sich dann dafür zu verurteilen, dass auch das noch nicht immer gelingt.Damit aufhören, Gott zu spielen.
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Perfektionismus
Ich benutze regelmäßig die Affirmation „Ich muss nicht perfekt sein.“ Denn Perfektionismus ist selbstzerstörerisch. Es gehört geradezu zum Wesen des Menschen, nicht perfekt zu sein. Deshalb ist scheitern vorprogrammiert, wenn ich den Maßstab der Perfektion an mich anlege. Außerdem ist der Charakterfehler Perfektionismus eine wesentliche für das Aufschieben von Arbeit. Wenn ich denke, ich muss perfekt sein, dann traue ich mich gar nicht erst, anzufangen. „Selbstmord aus Angst vor dem Tod“, könnte man auch sagen.
In einem anderen Blogbeitrag schrieb ich schon darüber, wie befreiend für mich der Satz war:
Ich bin kein schlechter Mensch, der gut werden will,
sondern ich bin ein kranker Mensch, der gesund werden will.Denn in diesem Gut-werden-wollen lag schon der Perfektionismus und damit auch schon das vorprogrammierte Scheitern. Alles, was nicht perfekt war, was nicht sofort und einhunderprozentig gelang, war schlecht. Ich gab auf, bevor ich überhaupt angefangen hatte. So konnte ich meine Talente weder erkennen noch üben.
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Scham – Feind Nummer 1
Ich habe mich immer für mein sexsüchtiges Verhalten geschämt. Manchmal habe ich versucht, der Scham dadurch zu entkommen, dass ich mir gesagt habe „So bin ich eben“. Oder ich habe versucht, die Sache ins Positive zu drehen: „Ich tue doch nichts Schlimmes. Ich werde es ab jetzt einfach genießen. Schluss mit der Scham!“ Oder ich habe den Mann dafür verantwortlich gemacht, der mich mit 15 sexuell missbraucht hatte. Aber am Ende stand ich immer wieder da voller Scham und Selbstverurteilung.
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Zwölf Schritte – Zwölf Stufen
Als Weg der Genesung von der Sexsucht empfehlen die Anonymen Sexaholiker die zwölf Schritte. Erstmalig veröffentlicht wurden sie im Buch „Anonyme Alkoholiker“, das wegen seiner Umschlagfarbe oft als „Blaues Buch“ bezeichnet wird. Im Englischen heißen sie „Twelve Steps“. Die Doppelbedeutung dieses Wortes, das gleichermaßen „Schritte“ wie „Stufen“ bedeutet, geht bei der üblichen deutschen Übersetzung verloren.
Dabei trifft die Doppelbedeutung etwas Wesentliches…
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Mein Blaues Buch (2)
How many Thousands of Men and Women Have Recovered from Alcoholism
Das ist der Untertitel, mit dem das englischsprachige Original des Blauen Buchs beginnt Er wird in der deutschen Übersetzung etwas verkürzt wieder gegeben („Ein Bericht über die Genesung alkoholkranker Männer und Frauen.“). Ich lese den Satz für die Sexsucht um:
Ein Bericht darüber, wie tausende Männer und Frauen von der Sexsucht genesen konnten
Und dieser Satz hat es in sich. Er ist ein Versprechen.
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Sexsucht – Mir selbst verzeihen
Solange ich in der Sexsucht aktiv war, mussten alle Versuche scheitern, wirkliche Selbstliebe oder Mir-selbst-Verzeihen zu praktizieren. Zu stark und zu nagend ist das Empfinden, mit der Sucht etwas Falsches zu tun, gegen mein wahres Ich, meine wirklichen Wünsche zu handeln. Zu groß ist die Scham, auch wenn ich sie vielleicht noch mit einer trotzigen Haltung wegdrücke.
Erst als ich trocken wurde und lernte, dass auch die Sexsucht eine Krankheit ist, die ich mit Hilfe des AS-Programms stoppen kann, begann auch der Weg der Selbstannahme. In den Meetings stellen wir uns üblicherweise so vor, dass wir auch unsere Sucht benennen: „Ich bin xy, ich bin ein Sexsüchtiger…“
Manchmal sträuben sich Betroffene gegen solche „Ich bin“-Formulierungen. Sie sagen: „Aber ich bin doch nicht meine Sucht, ich habe sie. Ich will mich doch nicht über meine Sucht definieren!“