Früher war ich verwundert, wenn ich bemerkte, dass mich anscheinend jemand mochte. Als z.B. eine Freundin mit mir in den Urlaub fuhr. Wieso mit mir? Da musste es ihr schon ziemlich schlecht gehen, wenn sie mit mir wegfuhr.
Heute ist mir bewusst, dass auch diese Verwunderung Ausdruck meiner allgegenwärtigen Ich-Bezogenheit war. In meiner Welt gab es nur mein Denken, Fühlen und Wollen. Wenn ich einen Raum verließ, war es so, als verschwände hinter mir der Raum und die Menschen, die darin waren. Es gab kaum eine Welt außer meiner eigenen, engen, ängstlichen, süchtigen. Ich konnte mir gar nicht vorstellen, dass der Andere ein selbständiger Mensch mit eigenen Gefühlen, Gedanken und einem Willen war, genauso wie ich.
Das hatte die paradoxe Folge, dass ich mir auch nicht vorstellen konnte, dass andere mich mochten und gerne ihre Zeit mit mir verbrachten. Schließlich mochte ich mich nicht und verbrachte (nüchtern) auch nicht gerne Zeit mit mir. Wie sollte es bei Ihnen anders sein? Überall und immerzu: Ich, ich, ich.
Heute bemühe ich mich, mir immer wieder bewusst zu machen, dass mein Gegenüber ein anderer, selbständiger Mensch ist. Ein Kosmos mit eigenen Gefühlen, Vorstellungen, Plänen, Vorlieben, Abneigungen, Wünschen, Ängsten… Darin ist er wie ich, aber selbständig und unabhängig von mir. Wenn ich den Raum verlasse, lebt er sein Leben weiter.
Er ist er und ich bin ich. In der nicht-süchtigen Begegnung mit ihm kann Genesung entstehen, Freude, Glück und Leichtigkeit. In ihm, dem kleinen Kosmos, kann ich den großen Kosmos und die Dimensionen unseres Mensch-Seins erleben.
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